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Israelische und Jüdische Stimmen

Texte von Amira Hass

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Welche Feuerpause?
Amira Hass, Haaretz, 26.4.07

 

Das Gerede über  Feuerpausen - ja oder nein -   erspart den Palästinensern, den  Fehlschlag  der PR-„Bravourstücke“ ihrer Qassemraketen zugeben zu müssen. Vorschläge, die Feuerpause auch auf  die Westbank auszudehnen, weicht  jeder Notwendigkeit aus, eine inner-palästinensische Debatte über den zerstörerischen, sinnlosen „bewaffneten Kampf“ zu führen,  der sich auf  Selbstmordattentaten gründet.

 

„Feuerpause“ ist eine weitere Worthülse, die deutlich macht, dass die palästinensischen Vertreter – gewählt oder nicht, Hamas, Fatah oder die PLO-Organisationen, vom palästinensischen PA-Chef Mahmoud Abbas bis zum letzten Sprecher der Al-Aqsa-Märtyrer-„Brigaden“  - schlicht in die Falle tapsen, die ihnen die Politik der israelischen Besatzung stellt..

 

Für oder gegen die Feuerpause zu reden, passt gut zum verzerrten Bild der Realität, das Israel seit  September 2000  aufgebaut hat: zwei symmetrisch kämpfende Seiten – bei dem die Palästinenser die Aggressoren und Israel die angegriffene Seite ist, die sich nur verteidigt und Rache übt.

 

Am Samstag und Sonntag bevor die Palästinenser „ die Feuerpause brachen“, töteten IDF-Soldaten neun Palästinenser. Unter ihnen war ein 17 jähriges Mädchen (das sich in seiner Wohnung aufs Abitur vorbereitete – nach ISM-Bericht ER), ein 15Jähriger und ein Polizist auf dem Dach seines Hauses, der nicht in die „Schlacht“ verwickelt war.

 

Am 21.April um 5 Uhr morgens  griff die IDF das Dorf  Kafr Dan in der Nähe Jenins an. Das Militär „übernahm“ ein paar Häuser und machte sie zu Schießposten. Die meisten Schüsse waren für eine bestimmtes Haus im westlichen Teil gedacht. Mohamed Abed, 23, wurde auf dem Dach eines anderen Hauses beschossen und getötet. Die Soldaten  behaupteten, sie hätten einen bewaffneten Mann entdeckt und ihn erschossen. Die palästinensischen Quellen besagen jedoch, dass Abed unbewaffnet war und nur  feststellen wollte, was draußen los ist.

 

Am Samstag zwischen 9 und 10 Uhr griff die IDF das Flüchtlingslager in Jenin an – eine Routineaktion. Militärische Fahrzeuge umgaben das Haus der Familie Bargheesh. Ein Familienmitglied, ein Islamic Jihad-Aktivist, wird von Israel gesucht. Nach Medienberichten habe die IDF gesagt, das Militär hätte die Familie aufgefordert nach draußen zu kommen und aus einem „unerklärlichen Grund sei das Mädchen drin geblieben“.

 

Das stimmt nicht, sagen die Leute im Flüchtlingslager. Die Eltern und ihre Tochter waren alle zu Hause, als sie in den Kopf geschossen und getötet wurde. Lagerbewohner glauben, dass der Soldat, der das Schulmädchen erschossen hat, von einem entfernteren Schießposten gefeuert habe. Der gesuchte Bruder wurde nicht gefunden.

 

Am Sonntag um 10 Uhr überfiel israelisches Militär das Dorf Deir Abu Masha’al, nördlich von Ramallah (nahe der Mauer ER), blockierten alle Zugänge und verhängten eine Ausgangssperre.  Jungen, einschließlich Khaled Zahran, 15, warfen mit Steinen gegen die Soldaten. Zahran wurde im Unterleib verletzt und starb später.

 

Fünf der Getöteten waren Islamische Jihad und Fatahkämpfer. Sie wurden in Jenin und Nablus bei Routineüberfällen getötet. Keiner macht sich die Mühe, genau zu erfahren, wann genau die Überfälle waren und mit welcher Absicht sie geschahen, ob jemand zu verhaften oder eine Todesstrafe ohne Gerichtsurteil ausgeführt werden sollte.

Die sechste  getötete Person war ein Angestellter, 43, der Gemeinde in Gaza. Er saß in seinem Wagen in Beit Hanun, wo er am Samstagabend von einer israelischen Granate getroffen wurde. Nach palästinensischen Quellen war er kein „militärischer“ Aktivist. Eine halbe Stunde vorher verfehlte eine Granate drei islamische Jihad-Aktivisten. .

 

Aber selbst wenn keiner der neun getötet worden wäre, hätte es am Samstag und Sonntag keine Feuerpause gegeben, so wie es auch in der letzten Woche  und in den Wochen davor keine Feuerpause gab. Weil die militärische Besatzung, selbst dann wenn sie nicht tötet, israelische Gewalt ist, die seit 40 Jahren nicht aufgehört hat – ganz egal wie die Palästinenser reagieren.

 

Das israelische „Feuer“ schließt die zivile Verwaltung ein, die jede Baugenehmigung eines palästinensischen Hauses verhindert, die jede Durchfahrt von Gaza in die Westbank verweigert,  die verhindert, dass die Schekel an Steuergeldern  an die Palästinenser weitergegeben wird, die  jede Straßensperre in der Westbank verursacht und  Schuld ist an jedem gestohlenen Dunum Land seit Juni 1967 und an jeder Siedlung – alt oder neu, groß oder klein, mit oder ohne israelischen Konsens.

 

Weder den Qassemraketen noch irgendeinem Verhandlungsprozess ist es gelungen, dieses israelische Feuer, diese Gewalt, zu stoppen.

 

(dt. Ellen Rohlfs)

 



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