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Israelische und Jüdische Stimmen


Texte von Amira Hass

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Dies ist Gaza
Amira Haas berichtet aus dem Gazastreifen
Stärkt Israel absichtlich die Hamas?
Der Durchbruch, der nicht geschah
Die nichtssagenden Proteste der PA
Erinnerungen an  Stadtteile in Gaza
Endlich ein Volksaufstand !
Sie sehen nicht und erinnern sich nicht
Ehrenbürgerschaft auf dem Mond
Unsere gewalttätige Präsenz
Das Recht auf  Wut
Wo sind die Selbstmordattentäter?
Schlechter Geruch
Eine Geste gegenüber dem Gefängnispersonal
Wenn  die Armee an die Tür klopft
Ein Augenblick bevor das Licht erlöscht
Welcher Anschlag?
Id al-Fitr-Fest, verloren im Gazastreifen
Kilometer 41
Die Politik der Trennung brechen
Es kommt darauf an, wer foltert
Ohne Gnade in Bethlehem
Am Kontrollpunkt ein Bonbon
Gazastreifen  - zu viele Behörden
Westbank - Kein Zugang zum Wasser
Die Hebron-Taktik
Mächtig wie der König von England
Gesetz und Ordnung, und Heuchelei
Welche Feuerpause?
Der Holocaust politischer Aktivposten
Gefangene oder Kriminelle?
Ein merkwürdiges Ausland
Leben mit Verboten
Kameradschaft am Checkpoint
Oberste Gerichtshof nicht eilig
Veränderte Regierungsbestimmungen
Keine  Angeln für Palästinenser
Gefangen bis zum Tode
Die Checkpoint-Generation
Vorbereitung nächste Invasion
Bildung gibt's nicht
Recht Religionsausübung
Was sind 20 Tonnen Sprengstoff?
Für Siedler verboten – nicht für den Staat
Keine interne Angelegenheit
Im Namen der Sicherheit
Können Sie wirklich nicht sehen?
Strafe - Volkszugehörigkeit
Der Besatzer bestimmt Recht
Nicht in Nasrallahs Absicht
Die Kraft durchzuhalten
No longer afraid
Die Gefängnis-Oberaufseher
Blockierte Strassen
Abgewürgt in Gaza
Ein Volk von Bettlern
Im Hintergrund steht das Wort Rache
IDF teilt die Westbank in Kantone
Es geht nicht nur um die Olivenbäume
Verhaftet am „humanitären Tor“
Studieren in Australien?
IDF herrsch in den Krankenhäusern
Zerbrochene Hoffnung
Der erschöpfte Frosch
Israelisches Militär teert Straße
Palästinensische Behörde versagt
Talent zum Zerstören
Siedler weg, verschmutzte Wasser
Die bleibenden 99,5 Prozent
Billige Arbeit – billiger Deal
Strafe hängt von der Volkszugehörigkeit ab
Beschäftigt sich Chirac damit?
Zwischen Gewalt und Gewaltlosigkeit
Israels Liebe zum Gesetz
Jüdische Demokratie auf schlüpfrigem Hang
Jeder Israeli ein Siedler
Ist Tul Karem befreit worden?
Den Holocaust instrumentalisieren.
Kann man sich auf Israelis verlassen?
Komm bete mit uns und dann erzähl uns
Das Blut von Iman al-Hamas
Wer hat hier das sagen
Regelungen „Königreich der Siedlungen"
Jenseits der grossen Mauer
Dem Besatzer die Besatzung erklären

 

Die Art der Strafe hängt von der Volkszugehörigkeit ab.
(oder: Zweierlei Maß)
Amira Hass, 10.8.05

 

Kurz nach dem Mord in Shfaram wurde berichtet, dass die Verwundeten und die Familien der Mordopfer eine schriftliche  Anerkennung als Opfer von Terrorismus erhalten  und entsprechend behandelt und entschädigt werden sollen.

 Da kam sofort die Frage auf, seit wann kommt so etwas Selbstverständliches und Normales in die Schlagzeilen? Aber Gleichheit unter Juden und Arabern ist nichts Selbstverständliches. Insofern war diese Pressenotiz, die niemals eine besondere Nachricht sein sollte, angemessen und in Ordnung.

Die Pressenotiz – und die Atmosphäre von Abscheu, die dazuführte – kann Bürokraten in den Finanz- und Gesundheitsministerien  und bei der Nationalen Versicherungsgesellschaft herausfordern; denn sie operieren sonst nach den Gewohnheiten und Gesetzen, die arabische Bürger diskriminieren.

Eine Pressemitteilung wie diese bietet eine Gelegenheit, andere Bereiche von Ungleichheit unter Juden und Arabern zu untersuchen, die die Definition des Staates als Demokratie in Frage stellen. Ein solch offensichtlicher Bereich von Ungleichheit ist die Haltung des Gerichts- und Gefängnissystems gegenüber arabisch-israelischen Angeklagten und Gefangenen, die aus Sicherheitsgründen festgehalten werden, und der Diskriminierung, die man zwischen ihnen und jüdischen Angeklagten und Gefangenen macht.

Sicherheitsgefangene die israelische Araber sind, werden auf drei Ebenen diskriminiert, verglichen mit israelischen Juden, die Arabern Schaden zugefügt haben:

a)      Im Strafmaß, das israelische Richter verhängen;

b)       in ihren Chancen von vorzeitiger Entlassung ( als Ergebnis einer Amnesty oder guter Führung nach 2/3 Verbüßung der Haft)

c)      was  ihre Haftbedingungen betreffen

Als 1993 Yoram Skolnik einen Araber ermordete, der an Händen und Füßen gefesselt war, wurde ihm lebenslange Gefängnisstrafe gegeben. Präsident Weizmann reduzierte seine Gefängnisstrafe zweimal: zunächst auf 15 Jahre, dann  auf 11 Jahre und drei Monate. Er wurde letztlich nach sieben Jahren Haft entlassen.

Skolnik steht mit auf einer Liste von Juden, die Araber ermordet haben und nach dem juristischen System entlassen wurden. Im Gegensatz dazu werden arabische Gefangene zu lebenslang verurteilt, auch wenn sie nicht des Mordes angeklagt wurden. Z.B. Mukles Burghal und Mohammad Ziade wurden vor 18 Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie wurden für schuldig befunden, eine Granate auf einen Bus mit Soldaten geworfen zu haben. Die Granate explodierte nicht. Für Burghal, der die Granate warf, wurde die Haft auf 40 Jahre reduziert. Das Strafmaß, zu dem man Ziade verurteilte, der nur einen Wink gegeben hatte, wann der Bus kommt, erhielt unverändert lebenslange Gefängnisstrafe.

 

David Sharvit aus der Siedlung Bracha wurde 1994 zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem er  bei einem 13 jährigen Araber schweren körperlichen Schaden verursacht hatte. Ariyeh Chelouche wurde zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem er 1990 versuchte, Araber zu ermorden. Menachem Livni war unter denen, die  1984 wegen Mordes an Hebroner College-Studenten angeklagt waren und lebenslänglich bekamen. Alle sind heute frei. Aber Othman Meragha und Mahmoud Zahra von Jerusalem wurden 1989 zu 27 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie Molotowcocktails geworfen hatten und Schaden angerichtet hatten. Sie sind noch immer im Gefängnis.

 

Burghal, Ziade, Zahra und ihre Freunde, die nicht mordeten, leben unter viel härteren Bedingungen im Gefängnis als  der Mörder Ami Popper, der das Blut von 7 arabischen Arbeitern an seinen Händen hat: seine lebenslange Haft wurde auf 40 Jahre reduziert, er durfte heiraten, seine Frau darf ihn besuchen, sie brachte ihm 5 Kinder zur Welt, er besucht sie, er hat Heimaturlaub und darf täglich telefonieren. (Arabische) Sicherheitsgefangene, die israelische Bürger sind und Bewohner Jerusalems sind, dürfen das öffentliche Telefon nicht benützen, erhalten keinen Urlaub, um ihre Familien zu besuchen, nicht einmal, wenn ein Elternteil oder ein Verwandter stirbt oder gestorben ist. Sie erhalten weniger Stunden für einen Spaziergang im Gefängnishof als kriminelle Gefangene; die Besuche ihrer Familien finden hinter Eisengittern und hinter Plastik oder Glasabsperrungen statt. Es ist ihnen sogar verboten, ihre Kinder zu umarmen und ihre Frau zu berühren.

 

Eine lange Reihe von Israelis sind an der  Ungleichheit, die täglich in den Gefängnissen praktiziert wird, beteiligt: die Richter, die viel härtere Strafen auf Araber legen als auf Juden, die ähnliche und schwere Straftaten begangen haben;  die Mitglieder von Kommissionen, die über reduzierte Strafen von jüdischen Mördern entscheiden und die wissen, dass das Komitee, das über verkürzte Gefängnisfristen entscheidet, eine frühere Entlassung von arabischen Gefangenen, einschließlich Mördern verweigert; die Präsidenten Israels, die das Strafmaß  reduzieren und Juden Amnesty gewähren; und ihre Berater, die Chefs der Rechtsschulen, die kein Gezeter anheben und eine ständige Überprüfung des Rechtssystem verlangen, das verschiedene Standards der Verurteilung und der Haftstrafen hat, die von der Volkszugehörigkeit der betreffenden Person abhängen.

 

Möge der Mord in Shefaram – und das anschließende Umbringen des Mörders - nicht als Entschuldigung dafür dienen, diese inhärente strukturelle Diskriminierung innerhalb des israelischen Rechtssystem zu ignorieren.

 

(dt. Ellen Rohlfs)

 

 

 

 

 

 

 

 

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