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Israelische und Jüdische Stimmen

Texte von Amira Hass

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Schlechter Geruch
Amira Hass, Haaretz, 5.12.07

 

Das ist ganz sicherlich kein pastorales Bild: die beiden Bürgermeister  zweier Dörfer stehen vor der Müllhalde  eines dieser Dörfer, Beit Liqia, und zählen  die Umweltgefahren der Müllhalde eine nach der andern auf.  Die Häuser der Dorfbewohner stehen nur 200 Meter weit entfernt. Da gibt es Leute, die verbrennen den Müll ( vor allem um das Metall alter Kabel oder das Eisen von Reifen zu trennen). Schwarzer Rauch weht dann um die Fenster der sehr bevölkerten Häuser. Rund um die Müllhalde stehen Olivenbäume – doch keiner erntet sie mehr. Auf der Müllhalde des Dorfes Beit Anan wird Müll verbrannt. Auch wenn es verhältnismäßig entfernt vom Dorf liegt, liegt es auch mitten in einem Olivenhain und entlang einer schmalen Straße. Der Rauch und der Gestank von brennendem Plastik und organischen Abfällen begleiten den Autofahrenden.

 

Man kann  die beiden Bürgermeister  nich anklagen – Hassan M. von Beit Liqia und Naji J. von Beit Anan – dass sie nicht genügend Umweltbewusstsein hätten. Sie haben an Workshops und Trainingskursen teilgenommen  und von fortschrittlichen Müllentsorgungsanlagen in Japan und alles gelernt, was man  über Müllsortieren wissen sollte und was mit dem Grundwasser geschieht.

 

Sie haben einen Traum: eine ordentliche Müllanlage weit weg vom Wohngebiet anzulegen. Sie soll sieben Dörfern dienen und die Umwelt besser schützen. Aber die Zivilverwaltung sperrte den schon vorbereiteten Weg zu der Stelle ( der geplanten Müllhalde) ab und konfiszierte den LKW. Diese Stelle liege in der Zone C, wurde gesagt. Und die Zivilverwaltung ist  Herr der Zone C, ( die völlig unter israelischer Kontrolle ist.) Und das Land jener Dörfer, die nahe der grünen Linie liegen, liegt in Zone C.

 

Zone C ( nach dem Oslo-Abkommen 60% der Westbank) ist genau das Land, an dem Israel interessiert ist und von dem es hofft, einen großen Teil annektieren zu können  - im Kontext eines „permanenten Status-Abkommens“. Palästinensische Entwicklung des Landes gefährdet die Chance, judaisiert zu werden. Deshalb erlaubt es Israel nicht, dass Palästinenser auf ihrem eigenen Lande bauen, ihren eigenen Bauplan ausführen ( weshalb Beit Liqia wie ein Flüchtlingslager aussieht) oder die Dörfer dem Wassernetz anschließen.

 

Seit vier Jahren führen die Palästinenser im Ramallah-Distrikt ermüdende Verhandlungen mit der IDF und der zivilen Verwaltung  wegen der Errichtung einer zentralen und sehr fortschrittlichen Müllhalde durch, die mit deutschen Geldern finanziert werden soll. Schließlich stimmte die Armee und die Zivilverwaltung zu, dass die Müllhalde auf einem Teil von Zone C ( und nicht in Zone B) errichtet werden kann, die nicht mit Häusern bebaut ist – und zwar genau zwischen den Dörfern.

Diese Gegend wird aber nicht vor 2010 oder  gar erst 2011  frei gegeben. Und was wird bis dahin geschehen?  Im Distrikt von Ramallah  (960 qkm) gibt es inzwischen 85 solcher Müllhalden. Sie wurden genehmigt, sind aber umweltschädlich. Vor dem September 2000 gab es nur 45 lokale Müllhalden. Die Zahl hat sich   wegen der vielen Straßensperren und Barrieren fast verdoppelt.

Zu den überfüllten Müllhalden bei Ramallah oder  bei  El Azariye östlich von Jerusalem zu fahren, wäre finanzieller Selbstmord für die lokalen palästinensischen Gemeinderäte. Fast alle haben kein Einkommen, weil es verboten ist in Zone C zu bauen, weil keine Steuern eingenommen werden, weil die Schulden der  Bewohner sich häufen, weil sie ihre Wasserrechnungen nicht zahlen können, weil die allgemeine Armut eine Folge der Absperrungspolitik ist.

 

Ein lokaler Gemeinderat kann  sich heute  eine Müllwagenfahrt von mehr als 10km nicht mehr leisten, sagt Hassan M . Dabei ist noch nicht  die Tatsache berücksichtigt worden, dass wenigstens fünf militärische Straßensperren nach allen Richtungen überwunden werden müssen. Das hindert den Müllwagenfahrer mehrere Fahrten an einem Tag zu machen .

So wird deutlich, dass die Begierde, palästinensisches Land zu nehmen, größer ist, als die Vernunft, die Qualität der Umwelt zu bewahren.

 

(dt. Ellen Rohlfs)



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