Die
Einschränkungen bleiben: Leben
mit Verboten in Palästina
Amira Hass,
22.1.07 , Counterpunch
Alle Versprechungen, die
Einschränkungen in der Westbank
zu lockern, haben das wahre
Bild nur verdunkelt. Ein paar
Straßensperren wurden
weggeräumt, aber die folgenden
Verbote sind geblieben. (Diese
Informationen wurden von
Haaretz, UN-OCH und
Machsom-Watch gesammelt)
Ständige Verbote
*Palästinenser aus dem Gazastreifen
dürfen sich nicht in der
Westbank aufhalten.
*Palästinensern ist es verboten,
Ost-Jerusalem zu betreten.
*Palästinensern ist es verboten, den
Gazastreifen über den
Erez-Grenzkontollpunkt zu
betreten.
*Palästinensern ist es verboten, das
Jordantal zu betreten.
*Palästinensern ist es verboten,
Dörfer, Land, Städte und
Stadtteile entlang der
„Randzone“ zwischen dem
Trennungszaun und der Grünen
Linie (etwa 10 %) zu betreten.
*Palästinenser, die nicht Bewohner
der Dörfer Beit Furik und Beit
Dajan ( im Raum Nablus) und
Ramadin ( südwestlichste Ecke
der Westbank) sind, dürfen diese
Orte nicht betreten.
*Palästinensern ist es verboten, das
Areal um die Siedlungen zu
betreten, auch wenn ihr Land
innerhalb des von Siedlungen
bebauten Landes liegt.
*Palästinensern ist es verboten,
Nablus mit einem Fahrzeug zu
„betreten“.
*Palästinensischen Bewohnern von
Jerusalem ist es verboten, Zone
A (Pal. Städte der Westbank zu
betreten)
*Bewohnern des Gazastreifens ist es
verboten, die Westbank über die
Allenby-Brücke zu betreten.
*Palästinensern ist es verboten, über
den Flughafen Ben-Gurion ins
Ausland zu reisen.
*Kinder unter 16 dürfen Nablus nicht
ohne den Original-Geburtsschein
und elterliche Begleitung
verlassen.
*Palästinenser mit Passierschein für
Israel dürfen aber keinen
Übergang benützen, der für
Israelis und Touristen bestimmt
ist.
*Gazabewohner haben kein Wohnrecht in
der Westbank .
*Westbankbewohner haben kein
Wohnrecht im Jordantal, in den
Dörfern Beit Furik und Beit
Dajan, auch nicht in der
Randzone.
*Palästinensern ist es verboten,
Waren und Frachtgut durch die
internen Westbank-Kontrollpunkte
zu bringen.
Zeitweilige Verbote
Bewohnern bestimmter Teile der
Westbank ist es verboten, in den
übrigen Teil der Westbank zu
reisen.
Personen einer bestimmten
Altersgruppe – vor allem Männer
im Alter von 16-30, 35 oder 40 –
ist es verboten, das Gebiet zu
verlassen, in dem sie ansässig
sind ( gewöhnlich Nablus und
andere Städte in der nördlichen
Westbank).
Private Wagen dürfen nicht durch den
Swahara-Abu-Dis-Kontrollpunkt
(der den nördlichen Teil der
Westbank vom südlichen Teil
trennt) Dieses Verbot wurde vor
zwei Wochen aufgehoben, um die
„Einschränkungen zu erleichtern“
.
Reisegenehmigungen erforderlich
*Eine Magnetkarte ( an sich für die
Einreise nach Israel, sie
erleichtert aber auch das
Passieren durch die Checkpoints
innerhalb der Westbank).
*Eine Arbeitserlaubnis für Israel
(der Arbeitsgeber muss zur
zivilen Verwaltung kommen und
eine beantragen.)
*Eine Genehmigung für medizinische
Behandlung in israelischen und
palästinensischen Krankenhäusern
in Ost-Jerusalem (der
Antragsteller muss eine
Aufforderung des Krankenhauses
vorlegen, seinen gesamten
Krankenbericht und einen Beleg
dafür, dass er die Behandlung,
die er sucht, nicht in den
besetzten Gebieten erhalten
kann.
-
eine Reisegenehmigung, um
durch die Checkpoints im
Jordantal reisen zu können.
-
Eine Genehmigung für
Kaufleute, um Waren zu
transportieren.
-
Eine Erlaubnis, um in der
Randzone, Land zu
bearbeiten, erfordert ein
Formblatt vom
Landregistrierungsamt, eine
Besitzurkunde und einen
Beleg, dass man ein
Verwandter 1. Grades des
registrierten Besitzers ist.
-
Passierscheine für die
Randzone ( für Verwandte,
medizinisches Team,
Bauarbeiter etc. Diejenigen,
die diese Passierscheine
haben, müssen die Randzone
durch denselben Übergang
hinein- und hinausgehen,
selbst wenn dieser weit
entfernt ist oder früh
geschlossen wird).
-
Passierscheine, um von Gaza
zur Westbank durch Israel
reisen zu dürfen.
-
Einen Geburtsschein für
Kinder unter 16.
-
Eine Identitätskarte für
langjährige Bewohner, die in
den Randzonen-Enklaven
wohnen.
Checkpoints und Barrieren
Am 9. Januar 2007 gab es 75 mit
Militär besetzte Kontrollpunkte
in der Westbank.
Durchschnittlich gibt es außerdem
noch 150 „fliegende
Kontrollpunkte“ in einer Woche
(September 2006)
Außerdem gibt es 446 Absperrungen
zwischen Straßen und Dörfern,
einschließlich Betonklötzen,
Erdhaufen, 88 eiserne Tore und
74 km lange Zäune entlang den
Hauptstraßen.
83 Stahltore gibt es im
Sicherheitszaun, der das Land
von ihren Besitzern trennt.
Davon öffnen nur 25 Tore
gelegentlich. .
Amira Hass schreibt für Haaretz. Sie
ist Autorin von einem Buch über
den Gazastreifen und über eines
über Ramallah. Ihr letztes
Buch: „Morgen wird alles
schlimmer!“ (2006)
(dt. Ellen Rohlfs) |