IDF
teilt die Westbank in Kantone und sperrt 800
000 Palästinenser ein
Amira Hass,
Haaretz 13.1. 06
Seit einem Monat - seit der
2. Woche im Dezember 2005 - trennt das
israelische Militär (IDF) den nördlichen
Teil der Westbank von den andern Teilen ab
und verbietet den Bewohnern nach Ramallah
und südlicher zu reisen.
Dieses Verbot gilt etwa 800
000 Menschen, Bewohnern der Regionen von
Tulkarem, Nablus und Jenin. Bis zum 2.
Januar galt das Verbot nur den Bewohnern von
Jenin und Tulkarem. Seitdem wurde es auch
auf die Bewohner des Nablusdistrikts
ausgedehnt.
Die IDF gab keine Order über
die neuen Bestimmungen heraus, die die Leute
erst an den festen und vorübergehenden
Kontrollpunkten vorfanden, die sie in den
vergangenen vier Wochen daran hinderten,
südlich des Tapuach-Kontrollpunktes zu
fahren. Sie wurden auch nicht davon
unterrichtet, wie lange das Reiseverbot
wirksam sein wird.
Die IDF hat auch die direkten
Verkehrsverbindungen innerhalb der
nördlichen Westbank abgeschnitten. Die
Hauptverkehrsader – Straße 60, die von der
Siedlung Shavei Shomrom zur Straße nach Mevo
Dotan und Homesh führt, ist für allen
palästinensischen Verkehr seit Mitte August
2005 durch drei Stahltore geschlossen.
Militärische Quellen sagten internationalen
Organisationen, dass diese Straße für
palästinensischen Verkehr geschlossen sein
wird, bis ein zusätzlicher Sicherheitszaun
rund um Shavei Shomrom fertig gestellt ist.
Zu verschiedenen Tageszeiten
gibt es für das Passieren mehrerer
Kontrollpunkte auch eine Beschränkung für
bestimmte Alterstufen. Diese Einschränkungen
gelten für Leute zwischen 16 und 30.
Die IDF verbietet Bewohnern
von Tulkarem Nablus über den westlichen
Kontrollpunkt bei Beit Iba zu betreten. Sie
dürfen nur über den nordöstlichen
Kontrollpunkt nach Nablus – über Tubas. Das
bedeutet einen Umweg von vielen Kilometern
auf Nebenstraßen.
Ein IDF-Sprecher sagte zu
Haaretz: „Nach vielen Warnungen des
Geheimdienstes und Versuchen von
Terrororganisationen, im nördlichen Samaria
Terrorangriffe gegen Israelis
durchzuführen, wären ein paar Barrikaden
errichtet worden, um den Verkehr von
Bewohnern von Jenin, Tulkarem und Nablus,
südlich der Nablus-Tulkarem-Linie zu
verhindern. Die Entscheidung , den Verkehr
zu verhindern, gründet sich auf einer
vorübergehenden Einschätzung der Situation.
Humanitären Fälle ist das Passieren
jederzeit erlaubt.“
Die „Gesellschaft für
Bürgerrechte in Israel“ (ACRI) stellte
letzte Woche in einem Brief gegenüber
GOC-Zentral-Kommando General Yair Naveh
fest, dass man Bedenken habe, dass das
Reiseverbot eine Strafmaßnahme gegen eine
zivile Bevölkerung und darum als kollektive
Strafe ungeeignet sei, die nach
Internationalen Menschenrechten streng
verboten sei.
Der Brief des ACRI-Anwalts
Limor Yehuda besagte, dass diese
„umfassenden Reiseverbote“ die Westbank,
ihre Bevölkerung und Gemeinden, die in allen
Aspekten des Lebens mit einander verbunden
sind, von einander trennt. Die Folge davon
ist ein tödlicher Schlag gegen die ganze
Bevölkerung, die wirtschaftlichen, sozialen
und kulturellen Verbindungen aufrecht zu
erhalten.“
Die IDF nennt dieses
Fahrverbot der nördlichen Westbank in die
anderen Teile der Westbank
„Differenzierung“. Es wäre im
vergangenen Jahr mehrfach mit
unterschiedlicher Dauer verhängt worden.
Manchmal gilt die Trennung in beiden
Richtungen.
Die „Differenzierung“ kann am
wenigen Verkehr palästinensischer Wagen
bemerkt werden und an den langen
Warteschlangen von Autos und Personen am
Hawara-Kontrollpunkt, südlich von Nablus und
den fliegenden Kontrollpunkten, die an den
Kreuzungen von Nebenstraßen aufgebaut
werden, die von Palästinensern benützt
werden. Doch wie von Aktivistinnen von
Machsom Watch* berichtet wird, dauert die
„Differenzierung“ dieses Mal länger und wird
diesmal strenger durchgeführt.
Am Zaatara/
Tapuach-Kontrollpunkt, der in den letzten
zwei Monaten zu einem gigantischen Terminal
geworden ist und durch den der ganze
palästinensische Verkehr von der nördlichen
und westlichen Westbank geleitet wird, wird
die Durchfahrt den Palästinensern
verweigert, die schon alle Kontrollen wie
Röntgen etc. zu Fuß oder mit dem Wagen
passiert haben, wenn ihre Identitätskarten
sie als Bewohner der nördlichen Westbank
ausweisen. Die Dörfer entlang der Straße von
Ariel nach Tapuach sind außerdem durch Zäune
blockiert, man kann sie also auch nicht
durch den Olivenhain verlassen.
Machsom Watch-Aktivistinnen
haben zahlreiche Fälle dokumentiert, wo
Studenten und andere Bewohner von der Tul
Karem und Jenin-Region entweder daran
gehindert wurden nach Nablus zu kommen oder
gewarnt wurden, dass sie, wenn sie erst in
Nablus seien, es ihnen nicht erlaubt werde,
es zu verlassen.
(*Machsom Watch ist eine
Menschenrechtsorganisation, bei der isr.
Frauen an den Kontrollpunkten, zwischen
Soldaten und wartenden Palästinensern zu
vermitteln und Schlimmstes zu verhindern
versuchen und dokumentieren, wie
Palästinenser in ihrer Bewegungsfreiheit
eingeschränkt werden.)
(dt. Ellen
Rohlfs)
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