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Sehnsucht nach der Heimat

Badische Katholiken unterstützen palästinensische Buchkunst -
Muslimische Frauen besticken Einbände für das Gotteslob

JOHANNES ZANG - DT vom 20.04.2006


Bethlehem (DT) "Vierzig Bucheinbände?" Manar, die Leiterin des "Handala-Kultur- Zentrums" in Bethlehems Flüchtlingslager "Al Azzeh" - das auch "Beit Jibrin" heißt - wollte sich vergewissern. So einen großen Auftrag hatten die Frauen noch nicht erhalten. Badische Katholiken aus Bühl wollten der palästinensischen Wirtschaft mit diesem Arbeitsauftrag unter die Arme greifen. Um den kirchlichen Erstauftrag aus Deutschland sorgfältig ausführen zu können, bat Manar um ein Muster-Buch. Nach kurzem Telefonieren mit einer japanischen Mitarbeiterin traf nach einer dreiviertel Stunde ein Gotteslob aus der deutschen Benediktinerabtei "Hagia Maria Sion" in Jerusalem per Fahrradkurier im acht Kilometer entfernten Bethlehem ein. Vierzig Einbände bedeutet vierzig Arbeitstage. Schnell war die Arbeit zwischen den Frauen des Flüchtlingslagers aufgeteilt. Das Lager, unweit der Bethlehemer Universität gelegen, besteht aus palästinensischen Flüchtlingen, die im ersten israelisch-arabischen Krieg aus dem nördlichen Negev vertrieben wurden oder geflohen sind. An der Stelle ihres ehemaligen Dorfes erhebt sich nun der israelische Kibbuz "Beit Guvrin". In dem 1950 errichteten Flüchtlingslager leben etwa zweitausend Menschen auf engstem Raum. 1999 öffnete das "Handala Kultur-Zentrum" dort seine Pforten. Zum Programm des Zentrums gehört auch die "Arbeit der Erinnerung" an das Recht, in die Heimat zurückzukehren. Diese liegt zwischen dem West-Jordanland und dem Gaza- Streifen, weniger als hundert Kilometer entfernt. Ausschlaggebend für die Gründung des Zentrums, die von den Bewohnern ausging, war die Sorge um die Jugend. Für "die, die unter Depressionen leiden, keine geeigneten Bildungs-, Kultur- noch Freizeitangebote haben", will Handala da sein. Doch hat man sich auch das Ziel gesetzt, die Jugendlichen zu "Gedankenfreiheit zu ermutigen und sie für eine bessere Zukunft fit zu machen und zu stärken". Der Name Handala stammt von der gleichnamigen Komikfigur des Zeichners Naji Al-Ali. Beide, Zeichner und sein zehnjähriger Held, sind in Flüchtlingslagern groß geworden. Naji Al-Ali, geboren 1938, musste wegen der "Nakba" - wie Palästinenser den ersten israelisch-arabischen Krieg von 1948/49 nennen - in den Libanon fliehen. Dort begann er in einem Flüchtlingslager seine künstlerische Karriere an den Mauern des Lagers. Dafür wurde er mehrmals verhaftet. Seine politischen Karikaturen fanden nicht überall Gefallen. 1987 wurde Al-Ali von israelischen Streitkräften getötet. Handala - zu deutsch "bittere Pflanze" - verkörpert gleichsam das Gewissen von Flüchtlingen und bezeugt ihre Ausdauer sowie ihre Hoffnung auf Rückkehr in die Heimat. Handalas Haar ist igelgleich - Zeichen des Selbstschutzes. Seine Füße tragen keine Schuhe - wegen seiner Armut. Seine Hände sind auf dem Rücken verschränkt - Symbol der Ablehnung amerikanischer Lösungen, aber auch gegen arabische Regime gerichtet, die den palästinensischen Kampf nicht unterstützt hätten. Das Angebot des Handala-Zentrums wird von einheimischen Freiwilligen und ausländischen Ehrenamtlichen organisiert. Es umfasst Schachspiel, Malen und Handarbeiten, traditionellen Dabke-Tanz und Fußball. Seminare und Kurse zu den Themen Menschenrechte und Umgang mit Stress gehören ebenfalls dazu. Praktische Sozialarbeit ist auch Bestandteil des Zentrums, das mitten im Lager liegt.

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Aktuell

Fünfmal konnten wir inzwischen der Frauengruppe im Flüchtlingslager "Al Azzeh"  in Bethlehem einen Auftrag zur Fertigung von je 50 Gotteslobhüllen geben. Das bedeutet Arbeit und Brot für ihre Familien. Ganz bewusst unterstützen wir auch diese moslemische Initiative, um die Bedeutung des Zusammenhaltens und Zusammenlebens von Christen und Moslems in Bethlehem zu unterstreichen. Dieses Zeichen der Solidarität haben viele Bewohner im Flüchtlingslager mit Dank und grossem Respekt vor dieser Aktion zur Kenntnis genommen. Diese Unterstützung ist umso wichtiger, um damit ein Zeichen dafür zu setzen, dass wie schon in der langen Geschichte zuvor die beiden Religionen zusammenhalten müssen. Christen wandern primär nicht aus Bethlehem aus, weil sie unter dem Druck der Moslems stehen und ihn nicht mehr aushalten können. Vielmehr sind die israelische Besatzung und der damit verbundene wirtschaftliche Druck und die Arbeitslosigkeit, sowie die fehlende Zukunftsperspektive vor allem für Familien der Grund zur Auswanderung.

Die Gotteslobhüllen sind zum Selbstkostenpreis von 12 € + Portokosten erhältlich bei

MUSA’ADE – Hilfe für Bethlehem e.V., P. Rainer Fielenbach OCarm., Straubing musaade.bethlehem@karmelitenorden.de

 

 

Weiterführende Links:

Krippen und Schnitzereien aus Palästina

Scherbenengel

Oasis-Behindertenwerkstätte Bethlehem"

Bilder von unterschiedlichen Krippen

Produkte aus Palästina | Bethlehem

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