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Bärendienst für den
Iran
Dr. Behrouz
Khosrozadeh
Es kam schlimmer als befürchtet. Rafsandschanis
Erfolg kam erwartungsgemäß. Doch mit dem überraschend großen Wahlergebnis
des Teheraner Bürgermeisters Mahmoud Ahmadi Nejad hat kaum jemand gerechnet.
Und die Reformkandidaten haben mit dem 3. und 5. Platz unter 7 Kandidaten
eine herbe Niederlage erlitten. Die Wahlbeteiligung ist mit rund 63 Prozent
wider Erwarten beachtlich ausgefallen - ein Schlag ins Gesicht derer, die im
In- und Ausland zum Boykott aufriefen. Ex-Präsident Rafsandschani, dem
skrupellose Machtpolitik nachgesagt wird, ist als erster Sieger
hervorgegangen. In seiner Amtszeit von 1989 bis 1997 scheiterte er kläglich
in allen seinen Wahlversprechungen und brachte den Iran gegen Ende seiner
Präsidentschaft in internationale Isolation. Rafsandschani schlug aber in
seinem Wahlkampf versöhnliche Töne mit dem In- und Ausland an und hielt gar
ein Ende der kompromisslosen Verdammung Israels für möglich. Ahmadi Nejad
hingegen gilt als eingeschworener Islamist, Feind der Demokratie und
kompromisslos gegenüber dem Westen. Ihm wird die Verwicklung in Attentate an
iranischen Dissidenten im Ausland in seiner Zeit als Funktionär der
Revolutionswächter zur Last gelegt. Er ist ein Favorit des Religionsführers
Ali Khamenei. Sollte die Wählerschaft abgeschlagener Islamisten sich nun um
ihn scharen, wäre Nejads endgültiger Sieg nicht unmöglich. So gesehen wird
Rafsandschani das kleinere Übel für die Stichwahl am kommenden Freitag sein.
Politik ähnelt insbesondere in einem Land wie dem Iran einem Fußballspiel.
Wenn man auf dem Feld steht, muss man das Spiel zu Ende spielen. Bricht man
es in der 89. Minute ab, muss man mit harten Sanktionen rechnen, selbst wenn
der Schiedsrichter eklatante Fehlentscheidungen getroffen hat. Das
reformhungrige junge iranische Volk hat bei seinem Spiel, das es 1997
grandios begann, 2003 (Kommunalwahlen) und 2004 (Parlamentswahlen) Gegentore
hinnehmen müssen und es jetzt bei den Wahlen 2005 abgebrochen und nicht zu
Ende gespielt. Ob die Niederlage genauso verheerend ausfallen wird wie bei
einem abgebrochenen Fußballspiel, wird sich zeigen. Die iranische In- und
Auslandsopposition, die emsig zum Wahlboykott aufrief, muss sich fragen, ob
sie dem Iran und dem iranischen Volk damit nicht einen Bärendienst erwiesen
hat. Ahmadi Nejads Etappenwahlsieg ist ein unseliges Geschenk der
Wahlboykotteure für das iranische Volk. Khos.
Erschienen in der: "Katholischen Zeitung für Politik, Gesellschaft und
Kultur 21.06.05
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